Rea Garvey (IE)

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Sie wissen also alles über Rea Garvey, richtig? Falsch. Nicht zuletzt, weil er mit seiner neuen Platte höchstwahrscheinlich mehr von sich preisgibt als jemals zuvor. „Das Album heißt PRIDE, also ‚Stolz‘, weil es das ist, was ich fühle, wenn ich es anhöre. Ich bin stolz auf meine Wurzeln und darauf, dass sie nach so vielen Jahren den Weg in meine Musik gefunden haben.“ Und damit hätte er eigentlich schon alles auf den Punkt gebracht. Garvey gibt jedoch zu, dass dieser Stolz hart erkämpft war, denn die Geburt des Albums – sein stilistisch vielfältigstes und ambitioniertestes – war langwierig, und hin und wieder auch schwer. Warum? Spulen wir an den Anfang zurück …

Frühjahr 2013. Nachdem er die zweite Runde in der von Kritikern gelobten Talentshow The Voice of Germany gewonnen hat, tut Garvey es Muhammad Ali gleich: Er steigt an einem Höhepunkt angelangt aus dem Ring, als ihm bewusst wird, dass er sich nach seiner ersten Liebe zurücksehnt, seinem Daseinszweck: selbst Musik zu machen. „ Fürs Fernsehen zu arbeiten, war eine tolle Erfahrung, aber es hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen, und seltsamerweise hatte ich das Gefühl, ich würde mich dabei weiter von der Musik entfernen“, sinniert er. Es sollte sich allerdings als unerwartet schwierig herausstellen, seine Songwriting-Muse wiederzufinden. Doch Garvey war noch nie der Typ, der sich von Widrigkeiten ausbremsen lässt. Er legte spontan eine kleine Pause ein, atmete tief durch und begann noch einmal ganz von vorne, indem er Inspiration aus einer Quelle schöpfte, zu der er bis dato eine sowohl physische als auch mentale Distanz aufzubauen versucht hatte. Er besann sich seiner Heimat Irland und der Zeit, die er dort als Kind und Jugendlicher verbracht hatte. Man kann sicherlich behaupten, dass Garveys Werke bislang keine offenkundigen, greifbaren Einflüsse seines Heimatlandes zeigten. Nun hatte er jedoch immer mehr das Gefühl, von seiner Vergangenheit angezogen zu werden.

Das Ganze könnte natürlich wie eine klischeehafte „Zurück zu den Wurzeln“-Geschichte klingen, aber Garveys neue Verbindung zu seiner Vergangenheit spiegelt sich nicht in einer Art großflächigen Imports traditioneller irischer Folklore wider. Ganz im Gegenteil: Die Anspielungen auf seine „alte Heimat“ sind oft sehr subtil und sorgfältig gewählt, stechen an den entsprechenden Stellen aber dennoch deutlich hervor.

Ein weiterer Inselstaat hat einen wichtigen Anteil bei der Entstehung des neuen Albums geleistet: Island. „In Reykjavik habe ich diese lebendige, authentische Atmosphäre gespürt, die mich an das Irland meiner Kindheit erinnert hat.“ Natürlich ist Garvey nur der vorerst Letzte in einer langen Reihe von Musikern, die mit dem Island-Virus infiziert wurden, aber der Einfluss des Landes auf ihn selbst und seine Musik hat nichts mit dem ätherischen Charakter zu tun, der normalerweise mit isländischen Künstlern wie Björk oder Sigur Rós in Verbindung gebracht wird. Nein, der wichtigste Moment während Garveys Reise nach Island war sicherlich der Abend in einer Bar im Herzen von Reykjavik. „Ich saß einfach da und hab die Atmosphäre aufgesogen, als eine Gruppe von zwanzig Männern reinkam, die behaupteten, sie seien ein Chor, obwohl sie gar nicht singen konnten! Siesind einfach aufgestanden und haben losgelegt, und ganz ernsthaft: Es war inspirierender als alles, was ich seit Langem gesehen hatte. Menschen, die einfach Freude an der Musik haben und sich nicht darum scheren, ob es cool ist oder Erfolg haben könnte. Dass all diese Männerstimmen aus tiefstem Herzen sprachen, hat mich wirklich berührt. Danach wusste ich, dass so etwas auf dem Album eine größere Rolle spielen würden.“ Und er steht zu seinem Wort. Autobiografische Anekdoten unterstreichen die neue Tiefe und Intimität von Garveys Songwriting, wie beispielsweise auf „Candlelight“, das er zusammen mit James Walsh von Starsailor geschrieben hat. In dem Song erinnert sich Garvey daran, wie er mit kaum dreizehn schwer erkrankte und sich die Beziehung zu seinem Vater dadurch zum Besseren wandte. Auch für den Track „All That Matters“ – eine zutiefst persönliche Abhandlung über die Kraft der Musik ist, die uns auch durch die schwersten Zeiten helfen kann – erhält Rea prominente Unterstützung und zwar von der aus Bermuda stammenden Singer-Songwriterin Heather Nova. Garveys Musik und Texte zeigen bei gelegentlicher Nachdenklichkeit auch immer einen neuen Mut und - wenn man so weit gehen will – eine neue Reife.

Überraschungen in den Arrangements ließen sich natürlich nicht über Nacht erarbeiten. Tatsächlich schienen Garvey und sein Produzent vor ihrem ganz persönlichen Kanye West/Yeezus Problem zu stehen: eine Fülle von Material, das arrangiert und abgemischt werden musste, während die Deadline bedrohlich näher rückte. Aber Garvey ist immer dann am besten, wenn er vor einer Herausforderung steht: „Ohne Frage, ich glaube, dass „Pride“ für mich bisher das schwerste Album war. Es hat mir alles abverlangt“, sagt er selbst.

Mit "PRIDE" ist Garvey ein packendes, sehr persönliches Album gelungen, mit dem er nicht nur neue Wege beschreitet, sondern auf seinen beträchtlichen Stärken aufbaut. Er ist stolz darauf, wo er heute ist, und er hat sich mit dem Ort versöhnt, an dem er aufgewachsen ist. Garvey hat seinen ganz persönlichen Ehrenplatz gefunden.

OFFICIAL WEBSITE:

http://www.reagarvey.com/



 

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