AnnenMayKantereit (DE)

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Fr. 20.08.2021

Wir – sind Severin, Henning und Christopher. Wir haben 2011 angefangen Straßenmusik zu machen, haben es 2012 irgendwie geschafft, kein Studium zu beginnen, 2013 konnten wir bereits in Clubs und auf Campingpla?tzen spielen, 2014 war unser erstes Jahr voller Festivals und u?ber hundert Konzerten, 2015 war a?hnlich intensiv und 2016 haben wir unser erstes Album vero?ffentlicht.

2017 haben wir angefangen, eigene Festivals zu veranstalten und haben dazu noch ein Live-Album vero?ffentlicht. 2018 haben wir eine Tour-Pause gemacht und dafu?r so viel Zeit wie es geht in unser zweites Album gesteckt. Nachdem wir 2019 selbstversta?ndlich wieder viel auf Tour waren, kam das Jahr 2020. Und na ja, wo fa?ngt man da an...

Vielleicht in Go?rlitz. Dort haben wir unser „Warm-Up“ Konzert gespielt. Das war das „Aufwa?rmen“ fu?r unsere bisher gro?ßte Tour. Wir wollten zum ersten Mal in Moskau spielen und dann gleich zwei Konzerte. Wir hatten die Hamburger Trabrennbahn ausverkauft, waren fu?r Festivals gebucht, wir wollten nach St. Petersburg und Istanbul...

 

Und dann – Zack.

Es war tatsa?chlich surreal.

Als am 28.02. aufgrund des Infektionsschutzgesetzes unser Konzert nicht stattfinden konnte, war ich erstmal sprachlos. Die Mitarbeiter der Schweizer Beho?rden rieten uns zur umgehenden Ausreise. Unser Team hatte die Bu?hne bereits in die Halle gebaut. Es war Mittag und wir wollten eigentlich die gro?ßte Mehrzweckhalle der Schweiz bespielen. Wir haben stattdessen das Land verlassen. Richtung Deutschland. In deutschen Sta?dten hing danach jedes Konzert am seidenen Faden. Spielen wir? Spielen wir nicht? Das letzte Konzert kam sieben Tage spa?ter. Im wunderbaren Chemnitz. Das Konzert danach in Freiburg, am 10.03., konnte nicht mehr stattfinden.

Am 11.03. waren wir dann alle ziemlich u?berraschend wieder in den eigenen vier Wa?nden. Am 12. wa?ren wir eigentlich ein Bremen gewesen, am 13. in Ko?ln, und so weiter und so weiter. Jeder war plo?tzlich allein mit der Tatsache, dass dieses Jahr anders wird.

Dann kam der Lockdown. Und im Lockdown haben wir ein Album gemacht. Dementsprechend du?ster sind einige der Lieder. Insgesamt ist das neue Album sehr von den Wochen gepra?gt, in denen es entstanden ist. Per Video-Call. Per Telefon. Per Mail und in Chatverla?ufen. Christopher war im Proberaum, Severin im spontan aufgebauten Homestudio und ich hatte die Gelegenheit, an einem desinfizierten Klavier zu arbeiten. Inklusive Markus Ganter (unserem Produzenten) hinter einer Glasscheibe. Wir haben uns eigentlich jeden Tag zu Ideen ausgetauscht, neue Elemente diskutiert, Anha?nge weitergeleitet und daru?ber gesprochen, wo das unfertige Lied „hinwill“.

Mitte Mai haben wir uns dann in der Eifel getroffen, um das schon vorhandene Material nochmal ein gutes Stu?ck weiterzubringen. Wir haben uns oft fu?r die Momente entschieden. Fu?r die spontanen Handy- Aufnahmen, fu?r die Versprecher, das Ra?uspern, das Vogelzwitschern oder knarzende Klavierstu?hle.

Hoffentlich kann man erahnen, was wir damit gern unterstreichen wollten.

Da wir in der Eifel irgendwie jeden Tag total produktiv waren, haben wir am Tag unserer Abreise zum ersten Mal die neuen Lieder in Reihenfolge geho?rt.

Nach dem Ho?ren hat Sevi dann gesagt – das fu?hlt sich wie ein Album an. Irgendwie war plo?tzlich glasklar, dass wir nur mit neuen Liedern ein Album machen, ohne „Ausgehen“, „Ozean“ oder „Tommi“. Nach unserem Eifel-Trip hatten wir dann Ende Mai ein paar Tage mit Malte im Proberaum.

Malte kam und brachte nicht nur seine routiniert entspannte Art mit, sondern auch ein paar feine Basslinien und gute Ideen mit.

Danach war Markus Ganter dran. Denn um die Songs wirklich fertig zu machen, mu?ssen wir natu?rlich noch ein paar Wochen unseren Produzenten qua?len und Wetten darauf abschließen, wie viele Haare ihm ausfallen. Markus hat diesmal nicht nur produziert, sondern auch einige Ba?sse gespielt. Natu?rlich hat er auch mit arrangiert. Das kann er na?mlich fast so gut wie Mixen – seine heimliche Sucht. Das „Mixing“ hat Markus u?bernommen, das Mastering hat Zino gemacht. Danke dafu?r.

So. Es ist fertig. Unser drittes Album. Es heißt „Zwo?lf“.

Es ist ein Album aus dem Lockdown. Ein Album, das unter Schock entstanden ist. Fu?r uns hat es immer drei Teile gehabt – den du?steren Beginn, das Aufatmen danach und die su?ß-bittere Wahrheit zum Schluss.

Wir wu?nschen uns, dass dieses Album am Stu?ck geho?rt wird. Die Reihenfolge der Lieder hat fu?r uns Bedeutung, und wer so großzu?gig ist sich das Album auch in dieser Reihenfolge anzuho?ren hat einen gepolsterten Sitzplatz in der Mehrzweckhalle unserer Herzen.

Hoffentlich bis bald. Hoffentlich.

Severin, Christopher, Henning. AnnenMayKantereit.



Text: Henning May



 

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